Kurt T.

Kurt T.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Trump Station?

Israel hat vor, einen Bahnhof in der Altstadt von Jerusalem nach Donald Trump zu benennen, wie man heute in den Medien lesen konnte. Die neue Haltestelle soll die Züge unterirdisch bis zur sogenannten Klagemauer führen. Als Grund für die Benennung dieses geplanten Bahnhofes sei der „Mut Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen“, wie es aus israelischen Regierungskreisen heißt.

Dazu ist anzumerken, dass dieses Bauvorhaben perfekt zum amerikanischen Präsidenten passt. Unterirdisch und Trump sind zwei Attribute, die ich sofort im Zusammenhang sehe und auch die Tatsache, dass die Haltestelle genau an einer Mauer endet, kommt dem Mann mit dem blondierten Waschbärfell auf dem Kopf sicher entgegen. Israels Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat damit übrigens wieder mal das Feingefühl einer Dampfwalze bewiesen, befindet sich die Altstadt doch im hauptsächlich von Palästinensern bewohnten Ostteil Jerusalems, bei denen die Wahl des Namenspatrons für den neuen Bahnhof sicher hervorragend ankommt.

Bemerkenswert ist dabei insgesamt die Tatsache, dass man damit einen Mann zu ehren gedenkt, der sich nachweislich von Rechtsradikalen wie dem langjährigen Betreiber von Breitbart News, Stephen Bennon, unterstützen lässt und der Naziangriffe auf Gegendemonstranten in den USA öffentlich relativiert und verharmlost. Ausgerechnet eine israelische Regierung huldigt damit also jemandem, der sich von Menschen, die sich in der Tradition der Täter des Holocaust sehen, zumindest nicht deutlich distanziert, sondern sich von ihnen finanzieren und unterstützen lässt. Und das alles nur, weil Trump Jerusalem entgegen aller bisherigen Empfehlungen als Hauptstadt anerkennt und damit Öl ins Feuer der Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina gießt.

Wie so ein Vorgehen mit dem Anspruch der israelischen Regierung zu vereinbaren ist, Hüter der Gedenkstätte Yad Vashem sein zu wollen, müssen die Verantwortlichen der Weltöffentlichkeit erst noch erklären – ich erkenne darin nur noch eine riesige Heuchelei, die das Andenken der Opfer mit Füßen tritt.

Zum Abschluss noch der Tipp an Netanjahu und seine Mannschaft: weshalb weiht ihr nicht gleich auch noch eine Viktor-Orban-Allee, eine Marine-Le Pen-Klinik und eine Alexander-Gauland-Schule für gute Nachbarschaft ein? Dann hättet ihr beinahe alle Kotzbrocken des aktuellen Zeitgeschehens mit eingearbeitet.

Bleibt nur zu hoffen, dass die israelische Regierung sich die gleichen Architekten für das Projekt heranholen, die Stuttgart 21 und den Berliner Flughafen geplant haben, das geschähe ihnen recht.

Montag, 6. März 2017

Ihre Methoden ...

Im Hinblick auf die immer schlechter werdenden deutsch-türkischen Beziehungen und den aktuell schrillen Tönen ist es wohl angebracht, sich mal ein paar Gedanken über diese Entwicklung zu machen. Ich richte mich mit diesem Text u.a. an viele meiner türkischstämmigen Kolleginnen und Kollegen, Bekannten und Freunde, sofern sie vorhaben, Präsident Erdogan in seinem Bestreben, eine Präsidialregierung in der Türkei zu errichten, zu unterstützen.

Aus meiner Sicht ist ein derartiges Vorhaben auf keinen Fall gutzuheißen. Wer mit dermaßen ruppigen Mitteln versucht, seine Macht zu stärken und vor allem alles dafür tut, dass diese Macht künftig nicht mehr kontrolliert wird, der verlässt den Boden der Demokratie – auch wenn er das ständig anderen vorwirft. Die Nebelkerzen, die Erdogan derzeit in Richtung deutsche Regierung schmeißt, weisen ebenfalls darauf hin. Er vergleicht die Politik der Bundesregierung mit derjenigen der Nazis und handelt damit geschichtsvergessen, weil er die unvergleichbaren Verbrechen des Hitler-Regimes damit egalisiert, nur um mit diesen verbalen Entgleisungen seine Anhängerschaft hinter sich zu scharen. Das Ganze wird gepaart mit nationalistischen Sprüchen (welche die Nazivorwürfe eigentlich ad absurdum führen) und ein wenig beigemixter Religion. Genau das sind jedoch die Mittel, mit denen hierzulande und in anderen europäischen Ländern Populisten, Rassisten und Nationalisten auf Stimmenfang gehen.

Das sind genau die Methoden, die von der NPD, der AfD, dem Front national‘, von Geert Wilders, Viktor Orban, Donald Trump und anderen derartigen machtgeilen Wahrheitsverdrehern und politischen Spiegelfechtern genutzt werden, um Menschen zu verführen. Erdogan wird sich, wenn er sich mit seinem Vorhaben tatsächlich durchsetzt, nicht zum „lieben Landesvater“ entwickeln, der von seiner hohen Position aus dann alles zum „Guten“ lenkt. Er wird sich – wie alle Despoten – mit Leuten umgeben, die ihm den Speichel lecken. Er wird vor allem wirtschaftliche Vorteile für sich und seine Familie und die engsten Vertrauten sichern, um sich notfalls damit abzusetzen. Er wird ein Regime von Spitzeln errichten, die alles und jeden ausspähen und jedes auch nur verdächtig kritische Wort und jede Handlung wird furchtbar geahndet.

Das alles ist nicht neu, sondern schon viele Male so geschehen und funktioniert vor allem dann immer wieder, wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich mit lächerlichen nationalistischen Sprüchen dermaßen einlullen lässt und nicht bemerkt, wie der Ring der Diktatur immer enger gezogen wird. Verbotene Medien, der ständig platte Vorwurf des Terrorismus gegen jeden Andersdenkenden, die Gleichschaltung von Parlament, Gerichten, Polizei und Militär, politische Gefangene, schrille Hasspredigten vor dem eigenen riesigen Konterfei. Was braucht es denn noch mehr, um einzusehen, in welche Richtung die Türkei abgleitet? So jemanden wie Erdogan darf man keine Stimme geben, um ihn damit auf das Podest der Macht zu heben, von dem er so schnell nicht wieder herunterzukriegen ist. Genauso, wie man Frauke Petry, Marie Le‘ Pen, Geert Wilders und Konsorten als Totengräber der Demokratie keine Stimme geben darf.

Damit kommen wir auch zu der Frage, ob man der türkischen Regierung, die sich demnächst selbst in ihrer derzeitigen Form abschaffen will, die Möglichkeit geben soll, in Deutschland vor großen Massen zu sprechen? Ehrlich zugegeben habe ich persönlich eine innere Abneigung dagegen, diesen Menschen das Podium zu geben, ihr politisches Gift zu verspritzen. Ich will z.B. auch nicht, dass Alexander Gauland oder Björn Höcke eine Bühne für ihre menschenverachtende Ideologie geboten wird und ärger mich über jedes veröffentlichte Interview, das die Presse mit derartigen Typen führt. „Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“, hat Rosa Luxemburg einst gesagt und ich bin stets dabei versucht zu ergänzen, dass dies aber auch nur dann infrage kommt, wenn auch der Andersdenkende ebenfalls diese Freiheit akzeptiert und sie nicht am Ende verbieten will.

Dennoch muss eine Demokratie solche Leute wohl aushalten und dafür muss sie stark sein, was an jedem Einzelnen von uns liegt, das zu erhalten. Deshalb will ich mich auch nicht bei denjenigen einreihen, die ein Redeverbot türkischer Minister in Deutschland nur deshalb fordern, weil sie ohnehin etwas gegen Menschen anderer Herkunft haben und dies nun zum Anlass nehmen, sich derart zu äußern. Man muss die Populisten jeder Art jedoch entzaubern und aufzeigen, was sie wirklich vorhaben. Ich finde es richtig und notwendig vor derartigen Entwicklungen zu warnen, so lange das noch möglich ist, damit es weiterhin möglich bleibt!

Mittwoch, 18. Januar 2017

NPAFD?

Der zweite Senat des Bundesverfassungsgerichtes hat am 17. Januar ein Urteil im Verbotsverfahren um die rechtsextreme NPD verkündet und das von den Bundesländern beantragte Verbot der Partei zurückgewiesen.

Zunächst einmal ist dazu zu sagen, dass es durchaus Sinn macht, die Hürden eines Parteiverbotes so hoch zu hängen, dass nur das höchste Gericht der Bundesrepublik darüber entscheiden darf und sich die Sache offenbar auch nicht so leicht macht. Genau das steht einer Demokratie zu, um es der Legislative nicht zu ermöglichen, sich „mal eben schnell“ unliebsame Opposition vom Hals zu schaffen.

Dennoch ist dieses Urteil aus meiner Sicht deutlich zu kritisieren, wenn man sich die Begründung anschaut. Senatspräsident Andreas Vosskuhle hat in der Urteilsbegründung deutlich gemacht, dass das Gericht die NPD für rassistisch, antisemitisch und verfassungsfeindlich hält, sie allerdings keine Bedeutung mehr hätte und deshalb ihr Vorhaben der Überwindung der demokratischen Ordnung nicht umsetzen könne. Zudem verwies er darauf, dass im Grundgesetz kein Gesinnungsverbot zugelassen werde. Dem kann man allerdings entgegenhalten, dass Faschismus nach wie vor keine Gesinnung und keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist!

Ich finde es mehr als bedenklich, ein Nichtverbot damit zu begründen, dass der klar festgestellte Gegner der Verfassung derzeit „nicht stark genug“ ist, um genau das zu zerstören, was ihm jetzt gerade wieder den braunen Arsch gerettet hat – ein demokratischer Rechtsstaat. Vielleicht hätten die Verfassungsrichter sich vor dem einstimmigen Urteil nochmal daran erinnern sollen, dass die NPD am liebsten wieder solche Richter haben will, die vor einem sogenannten Volksgerichtshof keifend und brüllend politische Gegner niedermachen und demütigen, um sie dann hinterher zum Tode zu verurteilen.

Genau das beinhaltet auch die vom Verfassungsgericht festgestellte Wesensverwandtschaft der NPD mit der NSDAP. Zudem bleibt die Frage als fader Beigeschmack bestehen, ab welcher Stärke (oder Mitgliederzahl?) denn ein Verfassungsfeind nun als gefährlich genug zu betrachten ist, um ihn zu verbieten? Hier wird die Schwäche dieses Urteils meiner Meinung nach mehr als deutlich.

Selbstverständlich verhindert man mit einem Parteiverbot kein extremes Gedankengut und vielleicht würde sich der rechte Haufen mit neuem Namen neu gründen oder aber in den anderen rechtsextremen Parteien aufgehen. Doch hier geht es zunächst einmal darum, der festgestellten Verfassungsfeindlichkeit und ihren Akteuren die Struktur – nämlich die Parteistruktur zu nehmen. Vor allem die jährlichen Zahlungen aus der Parteienfinanzierung, die sich aus Steuergeldern speisen und dann von der NPD genutzt wird, um ihre menschenverachtende Ideologie auf Plakaten und anderen Medien kundzutun. Politiker anderer Parteien diskutieren nun über eine Reform der Parteienfinanzierung und es ist fraglich, ob sich das so leicht umsetzen lässt. Mit einem Verbot der NPD wäre zumindest dieser Spuk zunächst zu Ende gewesen.

Außerdem hätte auch die Neugründung der NPD unter anderem Namen mit der selben Ausrichtung ebenfalls wieder verfassungsrechtlich überprüft werden können – und zwar immer und immer wieder mit der gleichen stoischen Kontinuität, mit der solche Organisationen und ihre Mitglieder versuchen, sich und ihren Hass zu etablieren. Jetzt wird sich nach zwei gescheiterten Versuchen sicher niemand mehr so schnell finden, der ein Verbot der NPD fordert und die Rechtsextremen lassen sich als Sieger über das verhasste System feiern. Möglicherweise wird die NPD dadurch sogar wieder interessanter für die Szene.

Ich befürchte, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ein Aufbruchssignal nicht nur für die NPD, sondern auch für andere Rechtsextreme – und dazu zähle ich ausdrücklich auch große Teile der AfD (deshalb die Überschrift) sein wird. Wer die Rede des notorischen Hassdummschwätzers Björn Höcke in Dresden verfolgt hat, bei der er das Mahnmal gegen den Holocaust in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnete, der wird spätestens an der Stelle nicht mehr leugnen können, wohin die AfD sich entwickelt. Auch ihre vermeintlich weniger extremen Führungsköpfe wie die schießwütige Beatrix von Storch und Deutschlands unbeliebtester Nachbar Alexander Gauland sind von vielen ihrer Aussagen her nicht weniger als verfassungsfeindlich zu betrachten.

Letztlich kann man den Richtern des Verfassungsgerichtes keinen Vorwurf machen, denn sie sind (hoffentlich) unabhängig und legen nach bestem Wissen und Gewissen das Gesetz aus, auch wenn man das Urteil kritisiert. Bleibt also nur der Weg für alle Demokraten offen, sich weiterhin politisch mit der NPD und ihren Brüdern und Schwestern im (Un)-Geiste auseinanderzusetzen und zu hoffen, dass sie nicht so stark werden, dass es irgendwann zu spät ist, sie zu verbieten. Aber das liegt ja im Grunde in unser aller Hände.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Berlin, Dezember 2016

Fernab der üblichen Betroffenheitsphrasen vieler Politiker und noch viel entfernter von den leider andauernd hochgewürgten Hasskommentaren von Menschen, die das entweder nur aus Machtgeilheit und politischem Kalkül machen, oder das Nachdenken schon lange gegen ihre zementierten Vorurteile, Verlustängste, ihren Neid und ihren Hass auf alles, was nicht ihrer einfach gestrickten Norm entspricht, eingetauscht haben – hier mein Beitrag zum furchtbaren Anschlag in Berlin:

Was der oder die Täter den Menschen und ihren Angehörigen gerade jetzt kurz vor Weihnachten angetan haben, ist unfassbar. Was muss mit jemandem passieren, bis man so weit ist, solche Taten zu vollbringen? Wie kann die persönliche Hemmschwelle so dermaßen heruntergefahren werden, dass man in der Lage ist, mit einem LKW mitten in eine Menschenmenge hineinzufahren und die Leute – egal welchen Alters – damit auf schrecklichste Weise zu töten und zu verletzen?

Deutlich wird an dieser Stelle wieder einmal, dass man Terror nicht wirklich aufhalten kann ... zumindest nicht durch kurzfristige (und -sichtige) Methoden. Nicht durch „härtere Gesetze“ oder durch „Burka-Verbote“ und schon gar nicht durch „geschlossene Grenzen“ oder den „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ in Afghanistan, dem Irak oder Syrien. Vielleicht langfristig durch eine vollkommen andere Außenpolitik des sogenannten „Westens“, aber derzeit müssen wir uns damit abfinden, dass derartige Anschläge immer wieder vorkommen können.

Auffällig in diesem Zusammenhang ist, dass heutzutage immer mehr Menschen, aber auch viele Medien davon sprechen, dass „es immer schlimmer wird“, „alle nur noch verrückt“ seien und die Welt „ins Chaos stürzen“ würde. Die Frage dabei ist, ob dieses offensichtlich vielfach vorhandene Empfinden tatsächlich einen realen Hintergrund hat, oder ob das nur deshalb so scheint, weil man mehr Informationen und Nachrichten (ob nun wahr oder gefakt) erhält, die genau darauf abzielen. Aber wenn es denn so ist, dass die Welt immer „verrückter“ wird, es immer mehr Gewalt und Hass gibt, dann müssen wir doch selbst als Gesellschaft endlich gegensteuern und etwas unternehmen. Es wird uns ansonsten niemand diese Aufgabe abnehmen.

Das hört sich sicherlich herausfordernd oder vielleicht sogar auf den ersten Blick großspurig an, aber beginnen wir doch bei den kleinen Dingen damit. Welche das sind? Ganz einfach: hören wir damit auf, ständig nach materiellen Dingen als Glückersatz zu schielen. Rennen wir nicht mehr ständig dem neuen I-Phone oder S7 hinterher – vor allem, starren wir nicht mehr andauernd darauf, während wir einen Kinderwagen vor uns herschieben, statt unsere Kinder anzublicken und sich mit ihnen zu beschäftigen.

Hören wir damit auf zu glauben, wir seien der beste Autofahrer (oder der verkannteste Rennweltmeister) und müssten wie wild über die Straßen rasen, andere bedrängen und möglichst gefährlich überholen. Schauen wir einfach nicht mehr hin, wenn uns das Prollfernsehen am Nachmittag oder am frühen Abend Verlierer präsentiert, die absichtlich gegeneinander aufgehetzt werden, nur damit die Einschaltquote stimmt. Hören wir nicht mehr zu, wenn uns die Hetzer und die Hassprediger wahrmachen wollen, was wir zu glauben haben oder wer gerade wieder Schuld hat.

Lassen wir es einfach nicht mehr zu, dass wir dazu gedrängt werden, nur noch konsumwütige Herden zu sein, die sich gegenseitig für das angebliche Sonderangebot beiseitestoßen, nur um etwas als erster zu besitzen, was spätestens nach einem halben Jahr unbeachtet in der Ecke oder im Schrank liegt. Machen wir einfach nicht mehr mit bei dem angeordneten, unmenschlichen Wettlauf nach höher, schneller, weiter, mehr, nur damit andere dadurch ihren dekadenten Reichtum weiter erhöhen. Setzen wir uns doch gerade jetzt zu Weihnachten lieber mit der Familie, mit Freunden, mit Nachbarn zusammen, lachen und lieben wirklich, statt nur auf der Hatz zu sein, möglichst viele und große Geschenke zusammenzubekommen und dem Kommerz als Sklaven zu dienen.

Es gibt aus meiner tiefsten Überzeugung heraus einen Zusammenhang zwischen all diesen Verhaltensweisen und dem Zerfall einer Gesellschaft, der gegenseitigen Hass und somit auch am Ende Terror schürt. Also: hören wir endlich damit auf zu glauben, dass wir besser oder mehr wert seien, als die anderen, die mit uns leben. Das gilt für alle Seiten, alle Religionen, alle Minderheiten, alle Mehrheiten, alle Lebensstile, alle Geschlechter, alle Menschen, die hier leben wollen! Wenn wir das begriffen haben, dann sind wir ein riesiges Stück weitergekommen als Gesellschaft. Ich finde, wir sind genau das den Opfern von Paris, Brüssel, Ankara, Boston, New York, Berlin und anderen Städten, in denen der Hass zuschlug, schuldig.

Sonntag, 13. November 2016

Amerika hat gewählt ...

Amerika hat gewählt und die Welt ist entsetzt über das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen. Entgegen aller Umfragen vor allem der letzten Tage vor der Wahl, hat Donald Trump sich gegen Hillary Clinton durchgesetzt und wird der 45. Präsident der vereinigten Staaten sein.

Was kann man von dem Kandidaten, der sich im Wahlkampf an keine verbalen Grenzen mehr gehalten hat, erwarten? Welche seiner Ankündigungen wird er tatsächlich umsetzen? Wird er seine Konkurrentin ins Gefängnis stecken, wie er es mehrmals androhte? Wird er eine riesige Mauer an der Grenze zu Mexico bauen, um illegale Einwanderer abzuhalten, in die USA zu kommen?

Die Zeit wird zeigen, dass das Allermeiste davon nichts anderes als übles Wahlkampfgetöse eines Mannes gewesen ist, der sich durchaus bewusst darüber gewesen ist, dass er Grenzen überschritt und dies auch absichtlich forciert hat. Es muss ihm spätestens dann klar gewesen sein, als er einen innerparteilichen Konkurrenten nach dem anderen bei den Vorwahlen der Republikaner aus dem Rennen geschmissen hatte. Er wusste, dass seine verbalen Entgleisungen, seine Androhungen und sein absichtlich so dargestelltes plattes Weltbild bei einer großen Menge Amerikaner – vor allem männliche, weiße und zur sogenannten Unterschicht gehörende – ankommen.

Trumps größter Coup dabei ist sicher die Tatsache, dass er es schaffte, genau diesen Menschen vorzuspielen, er gehöre als Immobilienmilliardär nicht zur amerikanischen Elite, nicht zum sogenannten Establishment, das er andauernd beschimpfte. Die Treue seiner Anhänger ließ sich auch durch keinen aufgedeckten Skandal, durch keine Pleite, die er verursachte, durch keine Lüge, die er nachweislich verbreitete mehr mindern. Vor allem sein Hauptsatz: „make america great again“ scheint den Nerv seiner Wähler getroffen zu haben.

Genau an diesem Beispiel lässt sich aufzeigen, welcher Automatismus hinter dem Erfolg so vieler Populisten auch in anderen Ländern – vor allem in Europa – steckt, der in der jüngsten Zeit überall zu beobachten ist. Nationalismus, Separatismus, Rassismus und platte Antworten auf die Probleme und Sorgen der Menschen kommen offenbar an. Weshalb das so ist, liegt vielfach am fehlenden Blick auf bestimmte Zusammenhänge, welchen die Wähler solcher Populisten offensichtlich nicht besitzen oder es auch gar nicht so genau wissen wollen. Eigentlich hätte der Slogan „make america social again“ – „mach Amerika wieder sozial“ heißen müssen. Stattdessen setzen Trumps Anhänger also auf ein wiedererstarkendes Amerika, was immer auch genau damit gemeint sein soll.

„Wie früher“ soll es wieder werden, hörte man in Berichten aus dem Wahlkampf viele Menschen sagen. Sie meinen wahrscheinlich vor allem das Versprechen des sogenannten „amerikanischen Traums“ vom Häuschen im Vorort, dem Auto und dem sicheren Job in Verbindung mit dem Anspruch vieler Amerikaner, dass ihre vermeintliche Lebensweise, die im Grunde niemals Realität für die breite Masse gewesen ist, auf die ganze Welt überzustülpen sei. Sie haben nicht begriffen, dass dieser Traum durch ein korruptes, verkommenes und nur noch den Eliten dienendes Zweiparteien-System zwar versprochen aber niemals wirklich umgesetzt wurde. Am Ende wurde versucht, dieses Lügengebäude durch faule Kredite auf die Immobilien derjenigen aufrecht zu erhalten, die schon längst verloren hatten. Die Folgen davon konnte man mit Beginn der Krise 2008 erleben.

Was die Bewertung des Sieges von Trump hierzulande angeht, wird ständig mit allerlei Worthülsen gearbeitet aber niemand spricht das aus, was wirklich ist. Es handelt sich um die leider logische Folge des herrschenden Systems. Die USA sind ein Land im Endstadium des Kapitalismus mit einer tief entzweiten und völlig entsolidarisierten Gesellschaft, der die sogenannte Mittelschicht weggebrochen ist. Republikaner und Demokraten betreiben seit Jahrzehnten in unterschiedlicher Ausrichtung die selbe neoliberale, von wirtschaftlichen Lobbyverbänden bestimmte Politik, die auch einem Donald Trump nützt und die er mit Sicherheit nicht ändern wird.

Die gleiche Politik der Wirtschaftshörigkeit und des Lobbyismus wird auch in Europa und Deutschland von allen sich in Regierungsverantwortung befindlichen Parteien betrieben und fortgesetzt. Das „Entsetzen“ und die Verwunderung der etablierten Parteien und Politiker über das Erstarken von Rechtspopulisten in allen europäischen Ländern ist entweder geheuchelt oder Ausdruck großer Unkenntnis von Zusammenhängen, die historisch gesehen schon einmal passiert sind und als Anschauungsmaterial dienen könnten. Die „Sorgen der Menschen ernst nehmen“, lautet die politische Phrasendrescherei zumeist.

Die Leute seien „besorgt und fürchteten sich vor der Globalisierung“, heißt es in diesem Zusammenhang oft. In Wahrheit geht es nicht (nur) um Befürchtungen, sondern um ganz konkret erlebte Lebenssituation der Menschen. Dauerarbeitslosigkeit, Niedriglöhne, prekäre Beschäftigung, soziale Nöte oder schlicht die Furcht vor dem Abstieg in diese Ebene sind der Grund für das verlorene Vertrauen in die viel beschworene Demokratie, die in Wahrheit nur noch eine Ökonomokratie ist. Auch hierzulande wird den Leuten seit Jahrzehnten beigebracht, dass nicht Solidarität, sondern Eigenvorsorge richtig seien. Dass Leistung sich wieder „lohnen müsse“, dass Krankenhäuser vor allem wirtschaftlich sein müssten und dass man Kinder möglichst früh in Eliten und Verlierer aufzuteilen hätte.

Das und vieles Anderes sorgt für den gleichen Verfall einer Gesellschaft, in der vor allem die Verlierer dieser Ideologie sich abwenden und irgendwann den Populisten in die offenen Arme laufen, die zuerst immer die Schuldigen bei den noch Schwächeren (in dem Fall die Flüchtlinge, die Ausländer etc.) finden und damit einfache Antworten geben, um an die Macht zu gelangen.

Wenn sich also in Deutschland und Europa nicht endlich schnell, deutlich sichtbar und nachhaltig etwas an der Politik ändert (was aufgrund des Systems eigentlich gar nicht möglich ist), dann werden wir im nächsten (Wahl) Jahr ganz furchtbar deutlich erleben, wie die geistigen Brüder und Schwestern von Trump hier an Stimmen und an Macht gewinnen. Und was das bedeutet, will ich mir nicht ausmalen.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Wenn ich Gott wäre ...

Wenn ich Gott wäre, würde ich Folgendes sagen ...

Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, ein paar ernste Worte an euch zu richten. Euch meine Meinung zu einigen Dingen zu sagen, die äußerst schief laufen in eurer Welt, die ich euch geliehen habe. Übrigens dazu gleich eine Anmerkung. Ich habe mit „macht euch die Erde zu Untertan“ nicht gemeint: „zerstört sie“, sondern nur: „nutzt sie weise und mit Bedacht“. Offensichtlich muss ich mich an vielen Stellen klarer ausdrücken – und so will ich das hiermit nun tun.

Viele von euch denken – oder behaupten zumindest – dass sie genau wüssten, was ich will und wie es umzusetzen sei. Diejenigen nennen sich dann Priester, Pfarrer, Imame, Pharisäer, Guru, Seher, Medium oder weiß Ich was noch alles. Sie gründen dann etwas, das sie als Religion bezeichnen, stellen Regeln auf und behaupten, dass sie mit mir dabei in engem Kontakt wären. Dabei ist es vollkommen egal, wie sie mich nennen. Diese an sich klugen und gewitzten Menschen machen das nun schon ein paar Tausend Jahre lang und sie finden dabei immer wieder Dümmere, die ihnen das abnehmen, ihnen unter teilweise unglaublicher Selbstausbeutung ein angenehmes Leben ermöglichen und ihnen zu großen irdischen Reichtum verhelfen. Schaut euch mal in der Geschichte um, ihr werdet es bestätigt finden, dass nicht einer dieser Scharlatane an Armut gestorben wäre.

Dabei frage ich mich immer wieder, wie so viel Dummheit und Leichtgläubigkeit unter die Menschen geraten kann? Weshalb funktioniert das immer wieder im Grunde nach den ständig gleichen Regeln? Und glaubt ja nicht, dass irgendeine religiöse Ausrichtung dabei besser wegkommt, als die andere. Sie alle haben im Lauf der Zeit für so viel Dummheit, aber auch Elend und Schrecken gesorgt, dass es keine Zahl mehr dafür gibt. Ich frage an dieser Stelle sowohl diejenigen, die sich selbst in den hohen Stand gesetzt haben, als auch die vielen Mitläufer: wer hat euch jemals dazu ermächtigt?

Wer hat euch je dazu aufgerufen, mit Feuer und Schwert, mit Gewalt und Folter einen Glauben zu verbreiten, den ihr bis zur Unkenntlichkeit verkehrt habt? Wer hat bestimmt, dass ganze Heerschaaren sich auf den Weg machen, um in fremde Länder einzufallen und den Menschen dort nicht nur eine falsche Religion aufzuzwingen, sondern ihnen auch noch ihre Schätze zu stehlen, von denen ihr heute noch zehrt und euer verkehrtes Wohlleben finanziert? Wer hat euch gesagt, ihr solltet eine ganze Armee von Priestern ausbilden, die über Jahrhunderte hinweg die Menschen gequält, ausgenutzt und missbraucht haben, um dann heute scheinheilig (und Ich sei Dank, weitaus weniger mächtig) Moralpredigten zu halten und noch immer zu versuchen, Macht auf die Menschheit auszuüben?

Wer hat euch jemals dazu ermuntert, andere Menschen in „Gut und Böse“ einzuteilen und sie als Gläubige oder Ungläubige zu bezeichnen, wo ihr doch im Grunde selbst alles Ungläubige seid? Weshalb nehmt ihr an, ich könnte mit einem einzigen Gedanken eine ganze Welt erschaffen, bräuchte aber euch, um diejenigen, die mich nach eurer Meinung nicht richtig ehren, zu bestrafen? Wer hat euch jemals beauftragt, Menschen grausam zu töten, dabei noch Selbstmord zu verüben und zu meinen, dass mir so etwas gefällt? Und dafür dann auch noch augenblicklich in ein abstraktes Paradies zu gelangen, um dann für alle Ewigkeiten was genau zu tun? Ich bin doch ersichtlich ein Gott des Lebens. Das dürfte jedem klarwerden, der sich in der Natur mal ein wenig umschaut. Weshalb sollte ich dann Gefallen an Hass, Mord, Krieg, Zerstörung und dem Töten von Unschuldigen haben? Ihr glaubt tatsächlich, dass mit dem heiligen Krieg ein wirklicher Krieg gemeint ist? Fangt zunächst einmal an zu denken und versteht die Bilder, die ich euch gab. Der innere Krieg gegen die eigenen Leidenschaften (Ungläubige) ist es, den ihr führen sollt. Die sollt ihr töten, nicht aber eure Mitmenschen.

Und dann all diese albernen Rituale. Wer denkt ihr, soll daran einen Gefallen finden, auswendig gelernte und in sinnentleerter Form heruntergebrabbelte Gebete anzuhören oder gar noch zu erhören? Statt wirklich durch gute Taten zu beten, werden sogenannte Gottesdienste in verschiedenster Form abgehalten, bei denen die Ausführenden ihren pseudoreligiösen Quark herbeischwafeln, den niemand – auch sie selbst nicht – in irgendeiner Weise auch nur annähernd versteht. OK, die Gospelgesänge der Schwarzen gefallen mir im Grunde ganz gut. Aber selbst ihre Kirchen haben sogenannte Christen in meinem Namen aus Hass und Rassismus niedergebrannt. Wie gesagt, denkt ja nicht, dass irgendeine Ausrichtung eurer Religionen sich besser dünken kann, als die anderen.

In den Schulen werden die Kinder selbst heute noch mit Texten zugeschüttet, die sie auswendig zu lernen haben, von denen ihnen aber niemand den vielleicht tieferen Sinn erklärt, weil es die Lehrenden selbst nicht begriffen haben, was sie da eigentlich erzählen. Und wenn es ganz schlimm kommt, werden die Kinder in einigen Ländern noch dafür bestraft, wenn sie die Worthülsen nicht ganz genau aufsagen können. Ich frage euch, welchen anderen Sinn kann das alles haben, außer Macht auf Schwächere auszuüben und meine Ur-Idee zu missbrauchen?

Ihr merkt schon, ich habe mich jetzt richtig in Rage geredet und bekomme langsam wieder so eine richtige Lust auf Sintflut. Und ich habe noch nicht einmal richtig angefangen, eure vielfältigen Fehler aufzuzählen. Bevor ich jedoch sogleich den Stöpsel ziehe, will ich mich lieber wieder etwas zurückziehen und gebe euch noch eine weitere Chance, das Leben auf der Welt, euer Leben, in den Griff zu bekommen und Vernunft und Humanismus walten zu lassen, statt Unterdrückung, Gier, Hass, Neid, Herrschsucht und dergleichen. Allein ... mir fehlt der Glaube daran, dass es euch jemals gelingt, wirkliche Menschen zu werden.

Ich

Samstag, 16. Juli 2016

Nizza

Und wieder hat es mit Nizza einen verheerenden Anschlag in Frankreich mit vielen Opfern gegeben – und wieder wird sogleich als Reflex darauf die Phrasendreschmaschinerie der Politik angeworfen und die aus meiner Sicht inzwischen unerträglichen Floskeln werden herausgespeichelt.

Außenminister Frank Walter Steinmeier schwafelt vom „Zusammenstehen gegen den Terrorismus“, Angela Merkel quatscht von der „bedingungslosen Solidarität mit Frankreich“ und alle palavern wieder mal über das „tiefe Mitgefühl mit den Opfern und deren Familien“.

Die Rezepte, die sie haben, sind meiner Meinung nach ebenso unerträglich und zeigen im Grunde die ganze Heuchelei auf, die mit dem Kreislauf aus Ursachen und Wirkungen dieses unbeschreiblichen Hasses zu tun hat. Frankreichs Präsident Holland erklärt noch in der Nacht des Anschlags die Verlängerung des Ausnahmezustandes (also der Einschränkung demokratischer Grundrechte) und wirkt so eigentlich genau gegen den Grundgedanken des Feiertages am 14. Juli, an dem die Franzosen sich mit dem Sturm auf die Bastille aus dem Absolutismus zu befreien versucht hatten und weswegen sie u.a. in Nizza feierten.

Ins gleiche Horn bläst im Auftrag der deutschen Bundesregierung Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, wenn sie die Aufstockung der Einsatzkräfte der Bundeswehr ankündigt und allen Ernstes darlegt, dass Deutschland „wieder führen wolle“ (hatten wir vor rund 70 Jahren schon mal) und endlich „mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müsse“, weil andere Nationen das angeblich kaum noch abwarten könnten. Mit anderen Worten bedeutet diese verbale und auch reale Aufrüstung nichts Anderes, als sich noch tiefer ins Getümmel der weltweiten Konflikte zu stürzen, um die „westlichen Werte“ zu verteidigen.

Dabei benutzt sie natürlich die üblichen Synonyme „Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“, die uns immer wieder um die Ohren gehauen werden, wenn es darum geht, Akzeptanz für diese Art Politik in der Bevölkerung zu erlangen. In Wahrheit geht es nur (und schon immer!) um die Werte ungehinderter Zugang zu Rohstoffen und Märkten, und zwar in Konkurrenz zu den USA und China als neuen globalen „Mitspieler“. Und dafür ist man auch bereit, Leben derjenigen jungen Menschen zu opfern, die sich (wie auch schon immer) dafür hergeben, weil sie glauben, damit dem „Vaterland“ zu dienen. Genau diese rein wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen haben in den Jahrzehnten zuvor im Eigeninteresse zunächst Kolonialisierung mit unsäglichem Leid betrieben, später dann Demokratien abgesetzt, Diktatoren gestützt, diese wieder unter fadenscheinigen Gründen beseitigt, wenn sie nicht so funktionierten, wie gewünscht, und ganze Länder in Schutt und Asche gebombt – alles für die westlichen Werte und die Freiheit!

Aus den Ruinen sind aber denkwürdigerweise keine friedlichen Demokraten entstiegen, sondern Menschen voller Hass, von denen sich einige in pervertierte Ideologien hineinsteigerten und aus denen dann solche Organisationen wie der sogenannte „Islamische Staat“ wurden. Als Spitze der Heuchelei werden dann noch Staaten mit Waffen beliefert, die sich insgeheim (oder auch ausdrücklich) als Unterstützer des IS bezeichnen und deren Vertreter teilweise in den Aufsichtsräten bedeutender deutscher Unternehmen sitzen, oder entsprechende Aktienanteile daran haben. Dass die Anzahl der Waffenlieferungen aus Deutschland insgesamt in diesem Jahr wieder einen Rekordwert erreicht hat, verdeutlicht diese verlogene Doppelzüngigkeit von „aufrichtiger Anteilnahme mit den Opfern“ und „Notwendigkeit für unsere Wirtschaftsleistung“ noch mehr.

Gegen eine solche Entwicklung kann man keinen „Krieg gegen den Terror“ führen und man kann offenbar auch solche Anschläge wie in Nizza nicht verhindern. Der Täter war den Presseberichten zufolge noch nicht einmal zuvor durch Radikalisierung aufgefallen, hatte aber offenbar die Anleitungen des IS im Internet gelesen, nach denen man „mit einfachen Mitteln möglichst viel Leid“ verursachen kann. Solch abartiges Gedankengut kann man mit noch so viel militärischer Stärke und mit Bombenabwürfen auf die vermeintlichen Stellungen der Terroristen nicht ändern – zumal noch die soziale Situation solcher Leute in den Ghettos von Frankreichs Großstädten dafür sorgt, dass aus einem sogenannten „Kleinkriminellen“ plötzlich ein Amoktäter wird, weil sein persönliches Leben vollkommen aus dem Ruder läuft. Das soll keine Entschuldigung für diese furchtbare Tat sein, aber vielleicht ist es eine Erklärung dafür, wie so etwas zustande kommt.

Die Zeche für all das zahlen die unschuldigen Opfer und somit auch potenziell wir alle, die wir in der „westlichen Welt“ und ihren „Werten“ leben. Es wäre sicher zynisch das gegen das Leid der Menschen z.B. in den zerbombten Städten in Syrien, dem Irak oder in Afghanistan aufzurechnen, aber ein Stück weit müssen wir uns diesen Spiegel auch vorhalten – zumindest dann, wenn wir das alles immer nur als eigentlich Verantwortung tragende Demokraten ignorieren, wegschauen und die Zusammenhänge nicht erkennen oder das gar billigend dulden. Mit noch mehr Kriegseinsätzen die kapitalistischen ... Verzeihung, die westlichen Werte weiter so durchzusetzen und den Krieg somit in unser Leben zu tragen, anstatt endlich aktiv eine andere Politik einzufordern, wird nicht funktionieren. Da reicht es auch nicht, hier bei FB sein Profil wieder mit der französischen Flagge zu schmücken – genau wie es nicht reicht, Texte dazu zu schreiben, um seiner Ohnmacht ein wenig Luft zu verschaffen. Und selbst bei einer tatsächlichen Umkehr, die einer Revolution gleichkäme, würde es wahrscheinlich ebenfalls Jahrzehnte dauern, bis der Hass und das unsägliche Leid „herausgewachsen“ wären.

Ich persönlich glaube aber leider, dass eher der Papst ins Dschungelcamp einziehen wird, als dass sich Vernunft und Humanismus gegen die Gier und die Herrschsucht unserer Welt durchsetzen. Schade um die vielen unschuldigen Leben, die sinnlos ausgelöscht werden. Wie Freddie Mercury schon sang: „This could be heaven ...“